Mieterverband befürchtet Massenkündigungen in Zürich wegen Energiegesetz

Eine Studie zum Zürcher Wohnungsmarkt verunsichert den Mieterinnenverband. Demnach sollen strenge Klimaschutz­massnahmen zu mehr Leerkündigungen führen.

Tages-Anzeiger
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Unsere Argumente

  1. Nein zu neuen Verboten und Auflagen: Das Gesetz bedeutet ein fak­tisches Verbot von Öl- und Gasheizungen. Nicht jedes Gebäude eignet sich aber für eine erneuerbare Heizung. Aus diesem Grund müssten in den nächsten Jahren zwangsweise zehntausende von älteren Häusern total saniert werden, bevor eine neue Heizung installiert werden kann.
  2. Nein zur Erhöhung der Mietpreise: Die neuen Verbote und Auflagen verur­sachen enorme Kosten. Damit steigen die Wohnkosten – und damit auch die Mieten. Die Kosten, die im Energiebereich anfallen müssen auf den Mietzins umgelegt werden.
  3. Nein zu Kündigungen: Mit dem neuen Gesetz müssen allein in der Stadt Zürich 80‘000 Wohnungen eine neue Heizung erhalten. Bei den meisten davon wird es zu Kündigungen für die Mieter kommen, da es technisch, ökonomisch und ökologisch keinen Sinn macht, ein neues Heizsystem zu installieren, ohne zuvor das Gebäude energetisch zu dämmen, damit weniger Energie fürs Heizen benötigt wird.
  4. Nein zur Vernichtung von günstigem Wohnraum: Vor allem in den Städten Zürich und Winterthur bieten alte Wohnhäuser mit Öl- und Gas­heizungen oftmals die günstigen Wohnungen. Mit dem Energiegesetz sind die Vermieter gezwungen, teure Sanierungen durchzuführen, womit die Miete steigt und günstiger Wohnraum vernichtet wird.
  5. Nein zu Zwangsverkäufen: Vor allem ältere Menschen, die noch in ihren eigenen vier Wänden mit Öl- oder Gasheizung wohnen, werden mit dem neuen Gesetz zu teuren Sanierungen oder zum Zwangsverkauf gezwungen.
  6. Eigentumsfeindlicher Sanierungszwang:Elektroheizungen müssen gar innert weniger Jahre ersetzt werden. Es ist aber absurd, eine funktionie­rende Elektroheizung herauszureissen, um für viel Geld eine andere Heizung einzubauen.
  7. Nein zur Verschandelung der Ortsbilder: Das Ziel, dass ein Teil des Stroms in den Gebäuden selbst produziert wird, bedeutet eine Pflicht zur Montage von Solarpanels. Eine Fotovoltaikpflicht ist gerade mit Blick auf denkmalgeschützte Ortsbilder sehr schwierig.
  8. Nein zu Technologieverboten: Das neue Energiegesetz setzt einseitig auf Verbote und Vorschriften. Dabei wäre eine vorausschauende Klimapolitik gefragt, die kluge Anreize schafft, freiwilligen Klimaschutz fördert und die Forschung nach zukunftsträchtigen Technologien wie Wasserstoff oder synthetischen Brenn- und Treibstoffen vorantreibt.
  9. Nein zu schlechteren Rahmenbedingungen: Unter einem solchen neuen Energiegesetz würde das Gewerbe (wie z. B. Gastronomie, Hotellerie, Autogewerbe oder Betriebe mit grossen Werkshallen) noch mehr leiden. Gerade in der Zeit nach der Corona-Krise dürfen wir die Rahmenbedingungen nicht weiter verschlechtern.

Fr. 4‘700 Miete pro Monat statt Fr. 2‘400! – Die Folgen einer Sanierung für saubere Heizungen

Der Schweizerische Mieterinnen- und Mieterverband hat in einer Fallstudie berechnet, dass energetische Sanierungen zu steigenden Mietkosten führen. Die Mietzinsanstiege bewegen sich zwischen 6,3 und 9,3%! Ein Beispiel dazu:

Zollikerstr/Stadt Zürich – Die ZKB renoviert ein älteres Wohnhaus, kündigt dazu alle Mietern, baut eine neue saubere Heizung ein und macht gleich dazu eine Totalsanierung. Die Folge: Die Mieten stiegen für eine 4-Zi-Wohnung von Fr. 2‘400 auf Fr. 4‘760! Junge Menschen, Studenten, Alleinerziehende, Familien, Senioren, Menschen mit geringem Einkommen werden sich solche Mieterhöhungen nicht leisten können! (Siehe auch TA, 28.9.21)